Ein Interpersonaler Circumplex ist ein sozialwissenschaftliches Modell über Persönlichkeit und zwischenmenschlichem Verhalten. Der Begriff wurde von Jerry S. Wiggins (US-amerikansicher Persönlichkeitsforscher und klinischer Psychologe, 1931-2006) 1982* eingeführt.

Das Modell selbst ist älter. So wurde schon 1951 von Wissenschaftlern (Freedmann et al.**) das Modell eines Circumplex zur Darstellung zwischenmenschlichen Verhaltens vorgeschlagen. Wiggins formalisierte das Modell unter Nutzung moderner statistischer Methoden. Danach lassen sich alle zwischenmenschlichen Verhaltensweisen innerhalb eines Kreismodells und mit 2 bipolaren Dimensionen abbilden. Die eine Dimension ist "Kontrolle" und reicht von dominant/kontrollierendem bis zu zurückhaltendem/unterwürfigem Verhalten. Die zweite Dimension ist die der Affiliationsdimension (soziale Bindung, Zugehörigkeit) und reicht von hilfsbereit/zugewandtem bis zu feindselig/distanziertem Verhalten.

Alle zwischenmenschlichen Verhaltensweisen lassen sich in dem Kreismodell abbilden.
Zwischenmenschliche Verhaltensweisen, die in ihrer Bedeutung ähnlich sind, sind auf dem Kreismodell benachbart angeordnet, Verhaltensweisen, die in ihrer Bedeutung entgegengesetzt sind, liegen sich im Kreismodell gegenüber.

Hier ein Beispiel möglicher Verhaltensweisen einer Führungskraft gegenüber einem Mitarbeiter:

Das Verhalten einer Person bedingt die Verhaltensweise einer anderen Person, was mit diesem Modell gezeigt werden kann! Gegensätzliche Verhaltensweisen drücken auch immer einen Konflikt aus. Dieser kann unterschwellig gespürt oder offen angesprochen, vermieden oder bearbeitet, zurückgewiesen oder angenommen werden.

Der Trait-Map® Gruppenbericht beinhaltet dieses Modell und gibt so Hinweise auf mögliche Konflikte und unerwünschte Verhaltensweisen:

 

In Teambildungs-, Konfliktmanagementworkshops etc. sind anonymisierte Gruppenberichte mit dem Modell des Interpersonalem Circumplex eine große Unterstützung wenn die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen unter die Lupe genommen werden. Es hilft auf der Sachebene zu bleiben und gemeinsam einen Konsens zu finden.

Der interpersonale Circumplex (IPC) gilt als eines der am besten erforschten und ausgearbeiteten Modelle zur Beschreibung und Messung der Persönlichkeit.

 

 * Wiggins, J. S. (1982). Circumplex models of interpersonal behavior in clinical psychology. In P.C. Kendall & J. N. Butcher (Eds.), Handbook of research methods in clinical psychology (S. 183–221). New York: Wiley.
** Freedman, M.B., Leary, T.F., Ossorio, A.G. & Coffey, H. S. (1951). The interpersonal dimension of personality. Journal of Personality, 20, 143–161.

Autor: Petra Zander