Die Umfrage zur Ermittlung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist an der DHGS validiert worden.

 

 

Eine Masterarbeit zur Erlangung des Grades Master of Science an der Fakultät Gesundheit, Fachbereich Psychologie im Studiengang Psychologie und Mentale Gesundheit (M. Sc.) befasste sich mit dem Thema „Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Präsentismus, Arbeitsbedingungen und psychischer Belastung“.

Wesentliche Items zur Ermittlung der Arbeitsbedingungen und der Stressfaktoren des Health meets Work Fragebogens wurden herangezogen. Die Subskalen physische Gesundheitsmerkmale und Arbeitszufriedenheit waren für die Untersuchung nicht relevant und wurden daher vernachlässigt. Zudem ergänzte ein Präsentismusfragebogen mit 7 Items und der medizinische Stresstest "DASS- 21" als Vergleich die Untersuchung.

Datenerhebung
Über die Uni, die sozialen Netzwerke der Studentin und die beruflichen Kontakte unsererseits wurde für die Teilnahme geworben und erzielte innerhalb 4 Wochen über 100 auszuwertende Datensätze. Die erhobenen demographischen und arbeitsbezogenen Angaben zur Person waren:

  • Geschlecht -> 33% Männer, 67% Frauen
  • Alter -> zwischen 18 und 50 Jahren, Durchschnittsalter 29
  • Höchster Schul-/Bildungsabschluss -> 55% mit Hochschulabschluss
  • Aktuelle Tätigkeit -> 71% berufstätig, 28% studierend mit Nebenjob und 2% Azubi
  • Dauer Betriebszugehörigkeit -> 39% mehr als 3 Jahre im Betrieb
  • wöchentliche Arbeitszeit -> 68% in Vollzeit tätig

Auszug Ergebnisse zu Präsentismus, Arbeitsbedingungen und psychischer Belastung

  • "Ein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und dem Auftreten von Präsentismus konnte mithilfe des Chi²-Test nicht nachgewiesen werden (Chi²= .002, p= .961)."
  • "Die logistische Regression der Stress-Skala zeigt, dass statistisch gesehen, die Befragten die unter Stress leiden, ein 3.6mal häufigeres Präsentismus-Verhalten aufweisen, als Personen die keinen Stress haben (Exp(B)= 3.562)."
  • "Bei der Überprüfung der linearen Zusammenhänge der Arbeitsbedingungen und Stress liegt die erklärte Varianz des Modells bei 25.5% (R²= .255). Nach Cohen (1992) zeigt dies einen starken Effekt. Das gesamte Modell zeigt sich signifikant, was die Ergebnisse des F-Tests erkennen lassen (F= 33.886, p= .000). Ebenfalls präsentiert sich sowohl der Regressionskoeffizient der Konstante (B= 4.093, p= .000) als auch der der Arbeitsbedingungen (B= -.628, p= .000) signifikant."

Einen umfassenden Bericht der Ergebnisse erhalten Sie per Mail

Bewertung des Health meets Work Fragebogens mit Anmerkungen

  • Da das Verfahren aufgrund der "Anzahl der Variablen eine umfassende Befragung ermöglicht und die relevanten Indikatoren erfasst, ist eine hohe Konstruktvalidität des Fragebogens erkennbar."
  • Aus der Skala, Stressquellen, wurden 14 Items verwendet. 22 weitere Items aus der Skala der allgemeinen Fragen dienten der Erfassung umfangreicher Arbeitsbedingungen, indem diese das Vertrauen in die Führungsebene und die Steuerung des direkten Vorgesetzten erfragen. Die interne Konsistenz der Items, welche der Erfassung der Arbeitsbedingungen dienen, wurde eine Reliabilitätsanalyse ermittelt. Das Cronbachs−𝛼 zeigt einen Wert von .863, womit die interne Konsistenz der Subskala als gut zu bewerten ist.
  • Bezüglich der Erfassung des beruflichen Engagements nutzt der Health-Meets-Work Fragebogen fünf Items. Auch hier wurde eine Reliabilitätsanalyse durchgeführt. Die berechnete interne Konsistenz dieser Items ist ebenfalls als gut zu bewerten, da Cronbachs – α einen Wert von .849 aufweist.
  • Zum Teil konnten signifikante Korrelationen festgestellt werden. "Sowohl berufliches Engagement und die aktuelle Tätigkeit (r=.228, p= .022 < .05), als auch Arbeitsbedingungen und berufliches Engagement (r=.710, p= .000 <.01) korrelieren positiv. Einen negativen, starken Zusammenhang zum beruflichen Engagement zeigt zum einen Depression (r= -.391, p= .000 < .01) und zum anderen Stress (r= -.361, p= .000 < .01)."
  • Darüber hinaus sind "starke Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Depression (r= -.509, p = .000 < .01), Arbeitsbedingungen und Angst (r= -.285, p= .004 < .01) und Arbeitsbedingungen und Stress (r= -.537, p= .000 < .01) zu erkennen. Auch die Präsentismus-Häufigkeit korreliert stark positiv mit Depression (r= .439, p= .000 < 0.1) und Stress (r= .433, p= .000 < .01)."

  • Der Health-Meets-Work -Fragebogen, lasse in der Studie einige Stärken, jedoch auch Schwächen erkennen:
    • "Als positiver Aspekt ist zu nennen, dass dieses Instrument alle relevanten Konstrukte erfasse."

      "Dies lässt eine, für die Gefährdungsbeurteilung notwendige, ganzheitliche Betrachtung der befragten Personen und der relevanten Umweltfaktoren zu."

    • Des Weiteren zeige sich, trotz bisher nicht überprüfter Validität, die interne Konsistenz der Skalen als hoch, was als guter Indikator der Reliabilität (eine erneute Erhebnung zeigt gleiche Ergebnisse) des Fragebogens gesehen werden kann.

    • "Alle für die Studie relevanten Konstrukte konnten mithilfe des Health-Meets-Work – Fragebogens erfasst werden."

      Identifizierte Schwächen
    • Kritisiert wurde, dass einer der 5 Items zur Ermittlung des Mitarbeiterengagements die Zufriedenheit abfragte.

      Anmerkung: Richtig, Zufriedenheit ist nicht mit Engagement gleichzusetzen. Das Item wurde geändert.

    • "Jedoch konnte aufgrund der geringen Anzahl der Items, zugehörig zu den jeweiligen Konstrukten, in der Studie lediglich eine reduzierte Erfassung der Arbeitsbedingungen erfolgen. Ergänzend wären hier zusätzlichen Fragen, zu dem beruflichen Engagement, zu den direkten Vorgesetzten und dem Vertrauen in die Führungsebene notwendig, um spezifischere Ausprägungen zu erhalten."

      Anmerkung: Wissenschaftlich betrachtet ist das korrekt, aber praktisch nicht umzusetzen, da niemand bereit ist lange Fragebögen auszufüllen. Bewährt hat sich folgende Praxis: Im Anschluss zu der quantitativen Erhebungsmethode folgt i.d.R. eine qualitative Spezifizierung. Kurze quantitative Fragebögen ermöglichen zielgerichte effiziente qualitative Methoden im Sinne der Kosten-Nutzen-Optimierung und sind bereits erste Maßnahmen die greifen, um psychische Fehlbelastungen zu minimieren und bestenfalls zu eliminieren.

Die Arbeit ist mit 1,7 benotet worden.

Autor: Petra Zander